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Autonomes Fahren als Mietpreisbremse

By Oktober 1, 2018 No Comments

Autonomes Fahren als Mietpreisbremse -
Mit vollem Tempo gegen zu hohe Mieten.

Deutsche Politik kennt derzeit nur ein Thema: Flüchtlinge. Dabei wünscht sich ein Großteil der Bevölkerung Lösungen für andere Probleme. Zum Beispiel für das Problem der fehlenden Wohnungen in Großstädten und den damit einhergehenden zu hohen Mietpreisen.

Seit Jahrzehnten hält das Bevölkerungswachstum in Städten an. Hamburg müsste jedes Jahr mehr als 10.000 neue Wohnungen bauen um dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden. Ein Ende der Wohnungsknappheit wäre damit noch nicht erreicht. In den begehrten und zentrumnahen Lagen in Hamburg und anderen Großstädten gibt es jedoch noch kaum freie Flächen. So wird jeder Hinterhof verdichtet. Oder das unattraktive Grundstück, an der vierspurigen Hauptstraße mit S-Bahntrasse, bebaut. Diese monotonen Betonwüsten entfalten ihr unerträgliches Klima in heißen Sommern wie dem vergangenen besonders. So weitsichtig wie diese Baupolitik ist, so weit ist auch der Ausblick aus diesen unattraktiven Wohnungen. Nämlich nicht sehr weit.

Öffentlich autonomer Stadtverkehr – Erweiterung statt Verdichtung!

Die Alternative zur Verdichtung wäre das Stadtgebiet an den Rändern zu erweitern. Dies ist jedoch für viele Menschen aufgrund von schlechterer Verkehrsanbindung und weniger Einkaufsmöglichkeiten unattraktiv. Nachvollziehbar! Die Städte müssten ihre Stadtplanung verändern. Anstatt auf Verdichtung bestehender Stadtteile zu setzten, müssten sie neue Subzentren planen. Gleichzeitig die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln massiv ausbauen, um diese Außenbezirke attraktiver zu machen. Doch wie soll das bezahlt werden und woher das jetzt schon fehlende Personal bekommen? Eine Lösung wären autonome und teilautonome U- und S-Bahnen die vor allem Nachts und an Sonn- und Feiertagen die Fahrer unterstützen oder ablösen. In London, Paris und Barcelona sind autonome U-Bahnen mit hoher Akzeptanz bei der Bevölkerung bereits im Einsatz. Ein deutlich dichteres und zeitlich eng getaktetes öffentliches Verkehrsnetz würde Randbezirke von Städten deutlich aufwerten. S-Bahnen und U-Bahnen könnten auch wochentags die ganze Nacht in engen Taktungen fahren. Regionalzüge, die morgens die Menschen eingepfercht wie in einem Viehtransporter in die Stadt bringen, könnten in deutlich höheren Frequenzen fahren. Der unattraktive Job des Bus- oder Bahnfahrers würde ohne Schichtdienst wieder attraktiver werden. Selbst wenn die Fahrer komplett obsolet werden, zeigt sich auch in anderen Branchen, dass neue Jobs trotz oder gerade wegen Automatisierung entstehen. Mehr Personal in Leitstelle, mehr Servicepersonal vor Ort oder eine Fahrerreserve bei Störungen und für den Ersatzverkehr.

Im Pyjama in den Feierabend.

Noch attraktiver werden Randbezirke oder sogar das Umland von Großstädten, wenn das autonome Auto den Fahrdienst zur Arbeit übernimmt. Wer von Hamburg Barmbek nach Altona zur Arbeit muss, ist schnell eine Stunde für eine Strecke unterwegs. Die gleiche Fahrzeit mit dem Auto wäre fast ab Lübeck, Lüneburg oder Soltau möglich. Morgens noch ein Stunde Kaffee trinken und Zeitung lesen oder schon die ersten Mails beantworten. Abends, nach der After-Work Party, schon im Auto in den Pyjama schlüpfen und die Netflix Serie gucken.

Das attraktive Einzugsgebiet für Großstädte würde sich schlagartig erweitern und den Druck auf die Mieten in der Stadt nehmen. Eher verlassene Landstriche und Dörfer würden wieder mehr Einwohner erhalten und dem Landsterben entgegenwirken.

Um das Verkehrschaos zu den Rushhours zu verhindern, müssen die Autos geteilt werden – ähnlich dem Prinzip von Uber und Co. Die Routen werden nach Bedarf optimal geplant um eine möglichst hohe Auslastung der Fahrzeuge zu erzeugen. Außerhalb der Stoßzeiten laden die Autos ihre Batterien auf oder fahren zum Supermarkt, um die online bestelle Ware in den Kofferraum zu laden und mir ins Büro oder direkt nach Hause zu bringen. Auch die Kinder könnten so sicher von der Schule zum Sportverein und nach Hause gebracht werden. Durch das Sharing der Fahrzeuge ist eine hohe Auslastung und Rentabilität möglich. So wird dieser Service auch dem Normalverdiener ermöglicht.

An einem Samstag zum Shopping in die City – 2 Szenarien.

Szenario 1: Ich verlasse die Wohnung im zentrumsnahen Stadtteil und laufe zur Busstation. Fahre 3 Stationen und wechsle in die U-Bahn. Nochmal 3 Stationen. Dauer: 25 Minuten bis in die City. Szenario 2: Ich verlasse mein Haus im Außenbezirk oder auf dem Land, steige ins autonome Auto und fahre 10 bis 20 Minuten länger als vom Stadtteil in die City. Dafür muss ich nicht umsteigen, nicht im Regen an der Busstation stehen und mich nicht in die überfüllten U-Bahnen drängeln. Meine Einkäufe kann ich in den freien Kofferraum laden und mir leeren Händen noch etwas Essen gehen und fünf Gläser Wein trinken. Ans Lenkrad muss ich schließlich nicht mehr.

Die Beispiele sollen zeigen, dass sich mit dem autonomen Fahren neue Qualitäten und Möglichkeiten bei Wohnraumsuche und Stadtplanung eröffnen. Ein urbanes Lebensgefühl ist auch möglich ohne direkt in der City zu wohnen. Die Entfernung zur Stadt wird durch eine höhere Wohnqualität und eine komfortable Anfahrt kompensiert. Sicher mag das Land oder der Randbezirk für einige unattraktiv bleiben. Viele Menschen werden aber aus finanziellen Gründen gezwungen sein dort zu Wohnen. Eine kluge Politik könnte durch eine verkehrstechnisch gute Anbindung dieser Randbezirke zu attraktiven und lebenswerten Stadtteilen fördern. Die Bildung von Ghettos kann durch eine gemischte Mieterstruktur mit Sozialwohnungen, junge Familien und Studenten verhindert werden. Und auch die Flüchtlinge könnten hier in einer gemischten Sozialstruktur besser integriert werden.

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