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Fünf Gründe warum der Job des 3D-Renderers verschwinden wird –
Und neue Spezialgebiete entstehen werden.

Für Architekturbüros ist es weltweit zum Standard geworden, fotorealistische Renderings für neue Projekte und Wettbewerbe zu erstellen. Behörden, Unternehmer, Marketingabteilungen und Privatpersonen haben sich längst daran gewöhnt, diese detailgetreuen Bilder zu erhalten und daran das Projekt zu beurteilen. Grundrisse, Ansichten und Skizzen sind vor allem für fachfremde Personen schwer zu interpretieren. Durch emotionale Lichtstimmungen, unrealistische Blickwinkel und „happy Hipster“ wird die Architektur häufig leichter und lebendiger dargestellt. Beispiele lassen sich bei vielen namenhaften Büros finden. In den Renderings wirken die Gebäude wie eine urbane Fata Morgana, die in der aufsteigenden Hitze der Stadt zu flimmern scheint. In gebauter Realität ähnelt das Gebäude dann meist einem splittrigen Klotz oder einem vom Himmel gefallener Tonklumpen – befreit von jeglicher Lebendigkeit.

Gerade kleine und mittelgroße Büros lagern diese Tätigkeit an externe Büros aus. Nur große Büros leisten sich in der Regel eigene Spezialisten für die Erstellung dieser Bilder. Und genau das ist die Erstellung von Renderings (leider) immer noch – eine Spezialtätigkeit. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass Spezialtätigkeiten häufig zur Normalität werden. Vor 30 Jahren war das Erstellen von Grundrissen am PC auch eine Disziplin, die nur wenige Spezialisten beherrschten und für die viel technischer Aufwand nötig war. Heute ist dies absoluter Standard.

Viele Anzeichen sprechen dafür, dass auch das Erstellen von 3D-Renderings zu einem Standard wird.

1. Vereinfachte Bedienung

Im Nachhinein fragt man sich manchmal, warum nicht früher schon alles so einfach war. Viele Renderprogramme, z.B. das neue V-Ray 3.6, strukturieren ihre Menüs neu. Die wichtigsten Einstellungen wie Bildqualität, Bildgröße und Helligkeit werden hervorgehoben. Die Detaileinstellungen für die Profis verschwinden in ausklappbaren Menüs. Noch radikaler ist beispielsweise der Echtzeitrenderer von Enscape. Die Bedienoberfläche wird auf wenige Knöpfe und ein paar eindeutige Schieberegler begrenzt. Das Renderprogramm regelt automatisch die Belichtung nach, sodass zu helle oder zu dunkle Bilder der Vergangenheit angehören. Das Ergebnis sind perfekt ausgeleuchtete Bilder im Innen- und Außenraum.

2. Bessere Materialbibliotheken

Die mitgelieferten Materialbibliotheken werden bei vielen Programmen immer besser und umfangreicher. Kenntnisse zum Erstellen von Materialien werden damit fast obsolet. Die mitgelieferten Materialien erfordern in der Regel mehr Rechenleistung, aufgrund komplexerer Parameter, wirken dafür aber auch realistischer. Einige Programme gehen dazu über, dass Materialien auch nicht mehr in der Größe skaliert werden müssen, sondern beim belegen der Objekte bereits die richtige Größe haben. So wird das Texturieren von Objekten beschleunigt und vereinfacht.

3. 3D-Planung und BIM

Immer mehr Büros gehen dazu über ihre Planung in 3D und nicht mehr in 2D durchzuführen. (Endlich!) Ein einfaches Weißrendering des 3D-Modells lässt sich in Photoshop schnell und einfach mit Materialien belegen. Wurde ein BIM-Modell erstellt, enthalten die Bauteile bereits Informationen über Oberflächen und Materialien. Ein Texturieren des Modells entfällt daher. Mit einem entsprechenden Renderengine sind auch hier schnell Bilder erzeugt.

4. Günstige Rechenleistung und Cloud Rendering

Um mit den gestiegen Qualitätsansprüchen an die Renderings und den engeren Zeitplänen Schritt zu halten, brauchte man stets neueste Hardware. Neue leistungsstarke Rechner und Renderfarmen erforderten hohe Investitionen. Seit einiger Zeit steigt der Zugang und die Möglichkeit den Renderprozess und die erforderte Rechenleitung in die Cloud zu verlagern. Hohe Investitionen bleiben aus und das Renderergebnis liegt bei Bedarf in wenigen Minuten vor.

5. Umfangreiche Hilfe und Wissen im Internet

Foren, Tutorials und MOOCS erlauben fast jedem einen Zugang zu riesigem Wissen. Mit der richtigen Fragestellung lässt sich fast für jedes Problem eine Lösung finden. Und mit steigender Anzahl an zugänglichem Wissen im Internet, verbessert sich auch die Qualität. Denn nur gefragtes und häufig abgerufenes Wissen wird höher in den Suchmaschinen gelistet. Ein schnelles, orts- und zeitunabhängiges Lernen wird so für fast jeden ermöglicht. Und dies ist auch notwendig, denn mit der schnellen Entwicklung der Programme können „offline“ Lehrer kaum mithalten.

Wie sieht die Zukunft aus?

Natürlich wird es auch weiter den Job des professionellen Renderers oder Visualisierers geben. Aber eben nicht mehr für die gängigen Projekte, die 90 Prozent der Architekturbüros bearbeiten. Visualisierungen mit besonders hohem künstlerischem Wert werden an Bedeutung gewinnen, da diese Unikate darstellen und aus der Masse der immer gleichen Visualisierungen hervorstechen. Außerdem werden bewegte Renderings, Animationen und Kamerafahrten an Bedeutung zunehmen. Diese befriedigen den weiter steigenden Bedürfnissen nach Realitätsnähe und einfacher Verständlichkeit. Sowohl das künstlerische und das bewegte Bild sind jedoch nur Weiterentwicklungen des bisherigen Renderings. Einen wirklich komplett neuen Ansatz des Visualisierens und Imaginierens ist die erweiterte oder virtuelle Realität. Die Augmented Reality und Virtual Reality benötigt spezielle Hardware, spezielle Software und viel Spezialwissen um gute Ergebnisse in kurzer Zeit zu erzeugen. In den beiden Technologien, die mit Sicherheit die Zukunft der Visualisierung darstellen, wird es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch viele Veränderungen und Verbesserungen in dem Workflow, der Software und der Hardware geben. Gleichzeitig bietet sich hier die Chance relativ früh bei der Entwicklung einer neuen Technologie dabei zu sein.