Technologie

Der eigene Körper-Daten-Speicher

By Juli 28, 2017 No Comments

Der eigene Körper-Daten-Speicher –
ein Weg zu mehr Datensicherheit?

Vor kurzem tauchten am gleichen Tag zwei interessante Meldungen in meiner Facebook-Timeline auf. Die eine besagte, dass 75% unserer DNA nur Müll ist und keine Funktion besitzt. Die andere Nachricht vermeldete, dass es Forschern gelungen ist, eine GIF-Animation in die DNA von lebenden Bakterien zu platzieren.

Da liegt doch der Gedanke nah, dass unsere nutzlose DNA entfernt, oder zumindest durch neue und nützliche Daten ersetzt werden könnte. Der Autor beendete seinen Artikel mit dem Ausblick, eines Tages alle Folgen von Game of Thrones in den eigenen Zellen speichern zu können. Sicher gäbe es sinnvollere Anwendungen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Mal wieder die DNA-Festplatte fragmentieren.

Den Forschern von der Harvard University ist es gelungen eine Bildsequenz von 5 schwarz-weiß Bildern in einer Auflösung von 36 auf 26 Pixel in der DNA zu speichern. Zum Vergleich hat ein moderner Fernseher eine Auflösung von 4096 × 2160 Pixel und eine Sekunde Filmmaterial besteht aus 30 Einzelbildern. Das Speichern von Daten mit Hilfe von Crispr/Cas „Genscheren“ ist nicht neu .  Jedoch gelang es den Forschern, Daten in der DNA lebender E.coli Bakterien zu speichern. Dies ist besonders schwierig, da sich die DNA ständig verändert. Dabei wird bereits seit 2012 daran geforscht Daten in Genomen zu speichern. Und dies funktioniert ziemlich effektiv. Ganze 1,28 Petabyte an Daten (das sind 1280 Festplatten eines modernen MacBooks) passen auf 1 Gramm DNA.

Doch genug der vielen beeindruckenden Zahlen. Das riesige Potenzial dieser Technik lässt sich sicher leicht erkennen. Wenn also meine Daten — und das werden in Zukunft sicher immer mehr sein — in meinem Körper gespeichert werden könnten, dann hätte ich zumindest die physische Hoheit darüber zurückgewonnen. Ich wüsste nämlich immer genau wo sie sich befinden. Sie sind hier, direkt bei mir und nicht auf fremden Servern irgendwo auf der Welt. Dies bedeutet aber nicht, dass sie sicherer wären. Schließlich bräuchte es zwischen Körper und Internet eine Art Schnittstelle, die immer ein Sicherheitsrisiko darstellt. Und die Folgen, wenn die 25% wertvolle DNA böswillig verändert würde, lassen sich nur schwer erahnen.

Das alles mag noch in ferner Zukunft liegen. Aber das Gedankenexperiment finde ich spannend. Jedoch hat die Crispr/Cas Gentechnologie noch viele weitere Anwendungsmöglichkeiten, die für die Menschen und Umwelt sicher hilfreicher sind als neue Datenspeicher. Forscher versuchen durch das Genom-Editing (angelehnt an das editieren eines Textes) Pflanzen ertragreicher zu machen. Oder nach Gen-Mutationen in menschlichen Zellen zu suchen, die gegen das Aids-Virus resistent machen und modifizieren Immunabwehrzellen, um effizienter gegen Tumore vorzugehen.

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