1.1

Motivation

Im Vergleich zum Internet ist die Digitalisierung wirklich Neuland. Neuland im Sinne, dass keiner die genauen Auswirkungen der Digitalisierung auf das private Leben, die Gesellschaft oder Arbeitswelt voraussagen kann. Digitalisierung soll hier als zusammenfassender Begriff für neue Technologien, Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz oder Vernetzung im Allgemeinen stehen. Ähnlich wie die Automatisierungen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben (Druckpresse, Webstuhl, etc.), wird auch die Digitalisierung von Erfindern, Entwicklern und Kunden gesteuert. An Ihnen liegt es die neuen Technologien mit Sinn und Verstand zu entwickeln und einzusetzen.

1.2

Öffentliche Wahrnehmung der Digitalisierung

Viele Menschen haben ein ambivalentes Verhältnis zur Digitalisierung. Beispielsweise steht Google besonders in Deutschland in der Kritik, sein Monopol auf die erhobenen Daten auszunutzen. Aber kaum in einem anderen Land hat Google so hohe Marktanteile wie in Deutschland.
Reißerische Schlagzeilen über Enthumanisierung der Gesellschaft und Arbeitsplatzrationalisierung lassen die Digitalisierung als eine unkontrollierte und gegen die Menschen gerichtete Entwicklung erscheinen. Dass die Digitalisierung bisher schon zu großen Fortschritten in der Medizin, Landwirtschaft, Energie- und Ressourceneffizienz beigetragen hat, wird häufig übersehen.

1.3

Vom Konsumenten zum Prosumenten

„In puncto Informatik sind die meisten Schulabgänger heute auf dem Stand, dass die Erde eine Scheibe ist.“ (1) Die Digital Natives sind zum großen Teil nichts weiter als digitale Konsumenten. Die Möglichkeiten, die mobile Endgeräte, Software oder Algorithmen über die bekannten Anwendungen noch bieten, sind völlig unbekannt. Dies ist ein Problem. Einerseits begeben sich diese Konsumenten in die ahnungslose Abhängigkeit von Plattformanbietern und anderseits fehlt Ihnen das Wissen über Alternativen nachzudenken oder manche Schlagzeile anders zu bewerten.
Ein Prosument wäre wünschenswert. Also ein Konsument der auch produziert oder zumindest mehr über die technischen und wirtschaftlichen Hintergründe weiß. Der Prosument versteht besser wie die Technik funktioniert, welche Technologien eingesetzt werden und was mit den Daten passiert. Eine Unabhängigkeit von dominierenden Plattformen wäre eher möglich.

(1) Ira Diethelm, Professorin für Didaktik der Informatik an der Uni Oldenburg, Die Zeit Nr. 49, 30 November 2017, „Blick ins Digital“

1.4

Sinnvolle Projektentwicklung auf Basis digital first und human centered

Bei der Entwicklung neuer digitaler Produkte und Services wird zu häufig in alten Denkmustern gedacht. Bereits bestehenden Services und Produkten wird eine digitale Prothese angesetzt. Häufig geschieht das an den wirklichen Bedürfnissen der Menschen vorbei. Nur weil etwas möglich ist, ist es noch lange nicht sinnvoll. Die Digitalisierung sollte genutzt werden um wirkliche Probleme zu lösen.
Die Entlastung des Gesundheits- und Pflegesystems oder die Behebung des Wohnraummangel wären sinnvolle Projekte. Das Ziel muss es sein die Digitalisierung für die wirklichen Bedürfnisse des Menschen und nicht für künstlich geschaffenen Bedürfnisse zu nutzen. Dadurch wird eine sozial nachhaltige, ressourcenschonende und zugleich effiziente Zukunft möglich.

1.5

Aus der Garage zum Erfolg

Wer heute programmieren lernen oder sein eigenes elektronisches Device bauen möchte, findet dazu eine Vielzahl an Onlinetutorien, Apps und Drag and Drop Anwendungen, die den Einstieg erleichtern sollen. Gerade in der Hobbyelektronik sind die Produkte deutlich kleiner, leistungsfähiger und zuverlässiger geworden. Der Sprung aus einem Maker-Projekt ein professionelles Projekt zu machen, scheint da nicht mehr weit.
Viele große Konzerne haben ihren Ursprung in der Garage. Vielleicht ist die Zeit gekommen, dass nicht mehr ein großer Konzern aus einer Garage oder Hobbykeller entsteht, sondern eine dezentrale Produktentwicklung, die vielen Menschen dient.

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